Emma Sommerfeld – wer ist denn das?

Ich mach was mit Kunst – oder mit Schreiben?

emma sommerfeld lektorat

Journalistin wär cool …Nach dem Abitur hatte ich noch nicht wirklich einen Plan, und anstatt die Welt zu entdecken und ein wildes Bohème-Leben zu führen, war ich ganz brave Tochter und landete in Kiel und auf der Fachhochschule für Verwaltung. Das war nicht wirklich was für mich. Merkte ich sofort. Fand man dort auch. Aber mein jugendliches Ich war wohl bei aller Schüchternheit auch mit einer gehörigen Portion Starrsinn ausgerüstet. Jedenfalls hab ich allen Widrigkeiten zum Trotz bis zum Ende durchgehalten und der Verwaltung erst den Rücken gekehrt, als ich die Abschlussurkunde in der Tasche hatte. Was ich damals nicht ahnen konnte: Das verhasste Studium würde mir in meiner Selbstständigkeit noch gute Dienste leisten und mir helfen, mich im Paragraphendschungel einer freiberuflichen und selbstständigen Existenz zurechtzufinden. Rechtstexte lesen und verstehen zu können. Wer hätte das gedacht? Ich nicht. Ich machte, dass ich wegkam.

Studieren, jobben, reisen – und schreiben!

Nach dem Trauerspiel mit der Verwaltung wollte ich unbedingt etwas Richtiges studieren, etwas, was mich wirklich interessierte und herausforderte. Also brach ich meine Zelte in Schleswig-Holstein ab und zog in die klassischste aller Universitätsstädte, nach Heidelberg, mitten in die Altstadt, so dass ich, wenn ich mich ein bisschen aus dem Fenster reckte, das Schloss sehen konnte. Für Geschichte und Germanistik hatte ich mich entschieden. Ich lernte Latein und ein bisschen Altgriechisch, entdeckte mit Marco Polo, Kolumbus und vielen weit weniger bekannten reiselustigen Frauen mittelalterliche Welten und arbeitete nebenher in allen möglichen Jobs, um den Spaß zu finanzieren – vor allem im Sozial- und Gesundheitsbereich, aber auch als Schuhverkäuferin und Bibliothekshilfskraft. Kaum etwas, in dem ich mich nicht versucht hätte. Aber ich schrieb auch die ersten Pressetexte und Zeitschriftenartikel, bereiste Europa, USA und Australien, machte das Magisterexamen, fing eine Doktorarbeit an – und gründete eine Familie.

Und hier kommt zum ersten Mal das hauptberufliche Schreiben ins Spiel.

Beruf: Autorin (und Übersetzerin, Lektorin …)

Ich schrieb ein paar kleine Geschichten, schickte sie hierhin und dorthin – und wurde quasi über Nacht Autorin von Zeitschriften- und Heftromanen. Ein Glückstreffer für eine junge Mutter mit kleinen Kindern! Dafür legte ich sogar die Doktorarbeit auf Eis (da liegt sie übrigens heute noch – aber wer brauch schon eine promovierte Mediävistin?). Unter diversen Verlagspseudonymen schrieb ich hunderte von Geschichten, die meisten für den Bastei-Verlag, wo ich mehrere Jahre federführend war beim „Bergdoktor“, erledigte Lektoratsaufträge, und als ich gefragt wurde, ob ich wohl Bücher aus dem Englischen übersetzen könnte, sagte ich sofort zu. Das mache ich übrigens mittlerweile seit mehr als 25 Jahren. Alles. Bis auf die Heftromane, damit war ich irgendwann fertig.

Daneben ergaben sich immer wieder einzelne Projekte, die meinen Schreibhorizont erweiterten. So war ich PR-Referentin bei einer europaweit agierenden Gesundheitsorganisation, unterrichtete arbeitslose Jugendliche und Kinder mit Lernschwierigkeiten in Deutsch, Geschichte und Politik und lernte, wie man Drehbücher schreibt.

Meine liebsten Themen: weibliche Lebenswelten

Bis heute bilden das Schreiben, die Sprache und das Übersetzen den Schwerpunkt meiner Arbeit. Und noch immer verlocken mich fremde Länder und andere Welten. Egal ob belletristisch, fantastisch, historisch oder sachlich – hier lese, schreibe und recherchiere ich am liebsten. Besonders angetan haben es mir die weiblichen Lebenswelten, heute oder damals, hier oder anderswo. Da gibt es noch so viel zu entdecken. Auch deswegen beschäftige ich mich sowohl beruflich als auch privat immer wieder mit Kostümgeschichte und altem Kunsthandwerk – genuin weibliche Bereiche und in ihrer (nicht nur historischen) Bedeutung oft unterschätzt.

Und wenn ich nicht gerade unterwegs bin, lebe ich mit Menschen und Tieren ganz nahe bei Berlin in Brandenburg.

portrait brandenburg emma sommerfeld

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