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Schreibtipps

Schreibtipps gibt es vermutlich inzwischen fast so viele, wie es Autoren und Schriftstellerinnen gibt – also sehr, sehr viele. Du findest vielleicht, dass es zu viele sind? Zu unübersichtlich? In der Masse oft eher verwirrend?

Besser schreiben geht immer!

Ich glaube, zu viele Ratschläge, was das Schreiben – oder vielmehr: das bessere Schreiben – angeht, kann es gar nicht geben. Besser geht nämlich immer. Und das Gute bei den meisten dieser Schreibtipps ist: Niemand muss sie zwingend befolgen. Selbst der Duden hat keine Allmacht, was das Richtig oder Falsch in der deutschen Sprache angeht. Sinnvoll ist es trotzdem, sich daran zu halten. Wir folgen beim Lesen und Verstehen nämlich Gewohnheiten, die uns helfen, den Inhalt eines Textes zu erfassen, was ja das Wichtigste überhaupt ist. Und unsere Seh- und Lesegewohnheiten entscheiden auch, was wir als gut oder schlecht geschrieben empfinden, was wir gern oder nicht so gern lesen. Fehler, also Abweichungen von dieser Norm, erwecken bei uns oft den Eindruck, ein Text ist schlampig geschrieben, es wurde unsauber gearbeitet, uns wurde etwas vorgesetzt, ohne dass sich der Verfasser/die Verfasserin damit besondere Mühe gegeben hätte. Das ist unschön, und niemand, der schreibt, möchte eine solche Reaktion beim Lesepublikum hervorrufen.

Das ist die eine Sache, die mit den Fehlern. Dann ist da noch die andere, nämlich die der sprachlichen Präzision. Je genauer der Ausdruck, den wir beim Schreiben benutzen, das trifft, was wir mit Worten zeigen wollen, desto sicherer rufen wir bei der Leserschaft genau den Eindruck, das Gefühl hervor, das wir bewirken wollen. Die Sprache besitzt so viele Ausdrucksmöglichkeiten und bietet eine solche Variationsbreite, dass es für fast alles die richtige Formulierung gibt. Man muss sie nur finden 😉

Und manchmal geht’s eben auch knapp daneben. Aber Formulierungsfehlschläge lassen oft sehr schön erkennen, warum etwas nicht geht – und wie man’s vielleicht auch besser machen könnte. Weswegen es hier ein paar Beispiele gibt, bei denen nicht alles so ganz geklappt hat ….

Warum Körperteile selten ein Eigenleben führen dürfen

(Quelle: pixabay)

Ich fange mal mit dem Klassiker an: Die Körperteile, die ein Eigenleben führen. Die Möglichkeiten sind da nahezu unbegrenzt, aber dieses Beispiel aus einem Roman fand ich besonders anschaulich (im Zusammenhang leicht abgeändert, damit sich niemand auf den Fuß getreten fühlt):

„Als sie hereinkam, hatten alle Augen im Ballsaal auf ihr gelegen.“

Mein erster Gedanke: Die Arme! Mein zweiter: Die arme – Autorin nämlich, der hier eine schöne romantische Szene unfreiwillig komisch geraten ist. Es handelte sich bei dem betreffenden Roman keineswegs um ein Horror- oder Thrillerszenario, in dem abgetrennte Körperteile schon mal vorkommen, sondern um einen Liebesroman. Nun können aber Augen nicht auf jemandem liegen, so sie das nicht in einiger Entfernung vom restlichen Körper tun – aber das will ich mir lieber nicht vorstellen. In den meisten Fällen sind es tatsächlich die Blicke, die auf jemandem ruhen, auf ihn resp. sie gerichtet sind – die Augen aber bleiben schön brav an ihrem Platz und tun nichts weiter, außer sehen, schauen, gucken, starren, blicken. Was mich zu einem weiteren Beispiel bringt:

(Quelle: pixabay)

Noch einmal die Augen, ein anderes Beispiel aus einem anderen Roman – wieder leicht abgeändert:

„Die Augen der Frauen, die ohne Hoffnung in tiefen Höhlen lagen.“

Ein Unglück, irgendwo in vielleicht unwegsamer, felsiger Landschaft, bei dem einige Frauen in unterirdischen Kammern eingeschlossen und unerreichbar sind? Nein, nur ein unglücklicher relativer Satzanschluss 🤓 Der Relativsatz, der nach dem Komma steht, könnte sich nämlich auf beide beziehen, die Augen und die Frauen, und da unser Hirn manchmal etwas faul ist, fügt es die Wörter zusammen, die einander am nächsten stehen. Und wir lesen: „Die Frauen, die in tiefen Höhlen lagen.“ Und denken: Hä? Denn im Kontext der erzählten Geschichte ergibt das keinen Sinn, die Szene spielte in einem Armenviertel im viktorianischen London. Gemeint sind die Augen, die in tiefen Höhlen lagen (oder lagen sie vielleicht tief in den Höhlen …?). Das alles läuft in unseren Köpfen innerhalb eines winzigen Moments ab, aber das reicht, um den Lesefluss zu unterbrechen, und so ein paar winzige Unklarheiten können die Stimmung eines Romans ganz schnell empfindlich stören.

Vorsicht bei Redensarten – oder: so schnell hängt ein Bild schief

auf dem holzweg, redensart
(Quelle: pixabay)

Eine weitere beliebte Quelle für Stilblüten aller Art sind Redensarten. Jawohl, genau die Sätze, die wir alle ständig ganz selbstverständlich benutzen. Trotzdem finde ich beim Lesen immer wieder einige, bei denen irgendwer beim Schreiben nicht ganz genau überlegt hat, wie diese Redewendung noch hieß. Ein Beispiel? Klar, mehrere!

„Er muss aufhören, auf der Tasche seiner Eltern zu liegen“, schrieb mal jemand, und ich stellte mir sofort vor, wie unbequem das sein musste. Vor allem für die Eltern, die sich, allem Anschein nach, auch noch eine einzige Tasche teilten. Vermutlich, weil ihnen der Herr Sohn immer noch auf der Tasche lag. Richtig, darum geht es: Der Sohn liegt den Eltern auf der Tasche, und er liegt nicht etwa auf der Tasche seiner Eltern.

Ein anderes schönes Beispiel aus einem ebenfalls bereits veröffentlichten Roman: Der Protagonist hat einen anstrengenden Tag hinter sich, fällt am Abend erschöpft ins Bett – und er „schlief wie in Adams Schoß.“ Das stand da so selbstverständlich in einem Bestseller, dass ich zur Sicherheit noch einmal nachgesehen hab, ob mir irgendeine Bedeutungsänderung entgangen ist – aber nein. Wer ruhig, fest, sicher und geborgen schläft, der macht das in Abrahams Schoß. Adam war der, der am Ende aus dem Paradies flog, der stand eher nicht so für Sicherheit und Verlässlichkeit. Fazit: Bei Redensarten muss man wirklich gehörig aufpassen, nicht knapp daneben zu greifen. Passiert mir übrigens auch, wenn ich nicht konzentriert genug bin. Deshalb: Lieber zweimal nachsehen, wie der Spruch wirklich geht, oder besser noch: jemand anderen gegenlesen lassen.

Wenn du mehr Schreibtipps lesen willst – mehr davon gibt es in meinem Blog

12 Kommentare zu „Schreibtipps“

  1. Oh du Wundervolle, da triffst Du bei mir voll ins Schwarze!! Ich liebe solche sich unfreiwillig verselbstständigenden Sprachbilder. Ich sehe sie täglich, wenn ich mit offenen Augen durch die Stadt gehe und sie erheitern mich sehr. Danke dir für diese genialen Beispiele!

  2. Das Schöne an Deinen Tipps ist der Humor! Ich sitze hier und kichere innerlich. Bestimmt habe ich sowas auch schon mal geschrieben und nicht gemerkt. Es lohnt sich, Deine Tipps zu verfolgen. Herzlichen Dank dafür!

  3. Oh Emma, dieser Text trifft bei mir genau ins Schwarze. Sicherlich habe ich in geistiger Umnachtung auch schonmal so eine Stilblüte verfasst. Und ich liebe liebe auch unfreiwillig komische Beispiele. Mein Fazit: Da noch mehr drauf achten und vielleicht echt einmal mehr reflektieren, ob alles stimmig ist. Auch in Bezug auf die Rechtschreibung hast du recht: Wenn ein Buch vor Fehlern wimmelt, sinkt es dramatisch in meinem Ansehen. (Obwohl das Buch ja genau genommen nichts dafür kann!)

    1. Die Stilblüten verfassen wir alle, liebe Kirsten, also keine Sorge! Eine Kollegin – Lehrerin und Autorin – beichtete mir einmal eine eigene Stilblüte, die erst ihre Lektorin bemerkte: Sie ließ ihren Romanhelden wie „ein elendes Häufchen“ am Tisch sitzen (Hundebesitzer suchen an dieser Stelle schon mal nach dem Plastikbeutelchen) und nicht wie das Häufchen Elend, das er war .. 😉 Danke für deine Worte!

  4. Sehr schön geschrieben und anhand Deiner tollen Beispiele für jeden nachvollziehbar 😉 Ich glaube, sowas passiert manchmal eben, aber ich fühle mich durch Deinen Artikel inspiriert, diesem Schreibtipp zukünftig mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Danke dafür !

  5. Eine Stilblütensammlung habe ich auch, eigene und fremde. Lustig sind sie immer, solange sie später nicht im fertigen Roman landen. Ich habe mich köstlich amüsiert. Wie anschaulich du die Kreationen auseinandernimmst, hat mich mehr als zum Schmunzeln gebracht.

    1. Vielen Dank! Ich produziere die durchaus selbst auch – mit genügend Abstand hab ich sie bisher immer rechtzeitig gefunden. Sonst müssen eben andere finden. Gern vor der Veröffentlichung 😀

      1. Oh ja, deshalb ist es gut, wenn es noch jemand anderes vorher liest. Gewisse Fehler übersiehe ich immer wieder, da hilft oft nicht einmal mehr der Abstand. 🙂

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