was ist beim Co-Writing zu beachten

Was ist beim Co-Writing zu beachten?

Das Schreiben gilt als einsame Tätigkeit, und da ist durchaus was dran: viel Schreibarbeit findet im Zimmer oder auf einer Gartenbank allein mit dem Laptop statt. Gelegentlich aber überkommt den einen oder die andere der unwiderstehliche Drang, sich mit einem anderen Menschen für eine Buchidee zusammenzutun. Daraus entstehen oft langjährige Arbeitsgemeinschaften, wie es Iny Klocke und Elmar Wohlrath beweisen, die seit Jahren unter dem Pseudonym „Iny Lorentz“ immens erfolgreich schreiben, ebenso wie die Thriller-Autoren Lincoln Preston und Douglas Child, um nur zwei Beispiele zu nennen.  Andere Projekte scheitern schon in ihren Anfängen. Mit einem Kollegen oder einer Freundin zusammen ein Buchprojekt umzusetzen, ist eine Herausforderung. Wenn es gelingt, kann ein solches Projekt sehr bereichernd sein. Freundschaften können aber auch daran zerbrechen.

Warum überhaupt Co-Writing?

Beim einem gemeinsamen Buchprojekt können sich Menschen mit unterschiedlichen Vorlieben beim Schreiben ideal ergänzen. Jeder kann seine Spezialität einbringen und sich allein darauf konzentrieren, das zu schreiben, was er am besten kann, ohne sich mit den Dingen plagen zu müssen, die ihm nicht so sehr liegen. Der eine beschreibt vielleicht geniale Settings, die andere ist eine Meisterin der spritzigen Dialoge, gemeinsam könnten sie den perfekten Roman schreiben. Ich gehe jetzt übrigens vom häufigsten Fall aus: dass sich jeweils zwei Menschen zusammentun, um an einem Schreibprojekt zu arbeiten – das ist schon herausfordernd genug. Wie bei vielen Gemeinschaftsprojekten gilt auch hier: Three are a crowd 😉

Voraussetzungen für erfolgreiches Co-Writing

Ganz unverblümt: ob gemeinsames Schreiben gut klappt oder gar nicht, ist weniger eine Frage bestimmter Techniken als vielmehr eine Frage der Persönlichkeit. Beide müssen bereit sein, sich selbst zurückzunehmen. Das ist gar nicht so selbstverständlich – schließlich geht es ja um die vermeintliche Königsdisziplin der Selbstverwirklichung: um die kreative Freiheit. Die findet ihre Grenzen allerdings – wie alles andere auch – dort, wo die Freiheit des jeweils anderen beginnt: Co-Writing ist Teamwork. Meiner Erfahrung nach hängt ein erfolgreiches Co-Writing deswegen vor allem von zwei Dingen ab: vom Ego und von der Zielvorstellung.

Das Ego muss zurückstecken

Sind beide bereit, das eigene Ego im Interesse des entstehenden Produkts zurückzunehmen, oder will einer unbedingt seine Vorstellungen durchsetzen, auch zu Lasten des anderen? Oder wollen sich gar beide profilieren? Will einer seinen Namen etwas größer gedruckt sehen als den des anderen, dann sieht es schlecht aus. Co-Writing ist nur etwas für Teamplayer – jeder bringt das ein, was er am besten kann, und das maximiert das kreative Potenzial.

Die eine will den Erfolg, der andere will nur spielen

Nehmen beide Beteiligte das Projekt gleichermaßen ernst, oder ist es für den einen etwas, das er mit vollem Elan angeht, während es für den anderen mehr ein beiläufiger Zeitvertreib ist? Das führt schnell zu Frustration und Ärger, weil Arbeit und Aufgaben nicht gleichmäßig verteilt bzw. nicht gleichmäßig wahrgenommen werden. Ideal ist es, wenn beide den gleichen Ansatz haben und dasselbe Ziel verfolgen: Entweder es ist ein Spaßprojekt, bei dem beide einfach sehen wollen, wie weit sie kommen, oder sie haben ein festes Ziel vor Augen – eine Deadline, einen Schreibwettbewerb, ein Sachbuch, das über ihr gemeinsames Thema informieren soll – egal was, Hauptsache, beide sind mit demselben Maß an Ehrgeiz und Gründlichkeit dabei.

Wichtig: Buchkonzept

Dass das eigentliche Schreiben bei einer Geschichte oft gar nicht die Hauptarbeit darstellt, sondern der meiste Aufwand eigentlich in der Vor- und Nacharbeit steckt, wissen wir ja. Beim Co-Writing ist das noch wichtiger. Es bietet sich an, sich vor dem Schreiben zusammenzusetzen und gemeinsam zu brainstormen, um dann eine solide Struktur zu erschaffen: Was ist die Grundidee? Wer ist die Hauptfigur? Wo soll die Geschichte hin? Welcher Stil bietet sich an?

Pansten oder Plotten?

Ich gehöre nicht zu denen, die akribisch plotten, aber im Co-Writing halte ich das Plotten für sehr sinnvoll. Mit einem gründlich durchgeformten Plot haben beide Autoren etwas an der Hand, mit dem sie arbeiten können, und die Verständigung ist einfach – alle wissen, wohin die Reise geht, was als nächstes dran ist, und auch das Verteilen von Aufgaben ist einfacher, wenn nicht über jeden Absatz neu verhandelt werden muss.

Wer macht was im Co-Writing?

Die Aufgabenverteilung, wie sie bei Roman oder Drehbuch oft gemacht wird – Autor A übernimmt schwerpunktmäßig die Dialoge, Autor B das Setting, oder Autor A übernimmt Hauptfigur 1, Autor B Hauptfigur 2 – ist im Grunde beliebig. Es könnte auch der eine die Grundfassung schreiben, die Partnerin überarbeitet das dann und füllt auf, oder Autorin A schreibt schwerpunktmäßig die Liebesgeschichte, Autorin B arbeitet an den historischen Hintergründen – die Möglichkeiten sind nahezu unendlich. Sie sollten nur vorher geklärt werden – und immer wieder zwischendurch aufeinander abgestimmt.

Mein Schreibtipp: Ich bin eher die Spontanschreiberin, dafür muss ich mehr zwischendurch und danach arbeiten. Beim Co-Writing empfehle ich ganz klar das Plotten. Wenn ihr euch im Co-Writing versuchen wollt, nehmt euch Zeit für die Vorarbeit. Schon beim Brainstormen, spätestens beim Plotten merkt ihr, ob das Zusammenspiel klappt. Wenn ja, seid ihr vielleicht auf dem Weg, das neue literarische Dream-Team zu werden! Viel Erfolg!

2 Kommentare zu „Was ist beim Co-Writing zu beachten?“

  1. Wow, Co-Writing stelle ich mir ziemlich herausfordernd vor… gibt es viele professionelle Co-Writer? Die immer gemeinsam Bücher schreiben? Ich würde so ein Werk gerne mal lesen..

    1. Ja, liebe Alexandra, ich habe ja zwei ziemlich berühmte schon im Text genannt. All die historischen Romane von Iny Lorentz, die schon seit Jahren ganz vorn in allen Buchhandlungen liegen, werden tatsächlich von einem Ehepaar geschrieben. Und Preston/Child schreiben Thriller, Sjöwall/Wahlöö haben so ziemlich als Erste sehr realistische schwedische Krimis geschrieben – und so gibt’s ganz viele Beispiele. Meins ist das aber auch nicht unbedingt. Lesen schon, schreiben nicht so 🙂

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