authentisches schreiben

Authentisch schreiben – glaubwürdig sein

Schreib, was du sagen willst. Und steh dazu!

„Authentisch schreiben“ ist mittlerweile ein Schlagwort, das kaum zu überlesen ist. Egal, ob es um Businesstexte, Blogartikel, Sachbücher, Ratgeber geht – überall wird gefordert: Schreibe authentisch, denn: dann reißen sich die Leute darum, deine Texte zu lesen.

Ist das so?

Dass sich alle darum reißen werden, deine Texte zu lesen, das kann ich nicht versprechen. Aber eins ist sicher: nur durch authentische Texte hast du eine Chance, überhaupt gelesen zu werden. Das ist ein Fakt. Und dafür gibt es gute Gründe.

Warum ist es wichtig, authentisch zu sein?

Wenn du schreibst, machst du deinen Lesern und Leserinnen ein Gesprächsangebot. Du lädst sie ein, sich deine Meinung, deine Ansicht, deine Vorschläge zu einem Thema anzuhören bzw. durchzulesen – du bietest ihnen eine Geschichte aus deiner Sicht, mit deinem Wissen, deiner Erfahrung. Du teilst deine Geschichte mit ihnen.

Ob sich deine Leser und Leserinnen dafür interessieren, ob sie auf dein Gesprächsangebot eingehen, das richtet sich natürlich nach dem Thema – mindestens genauso sehr aber danach, ob sich die Menschen, die du erreichen willst, für dich interessieren. Und das entscheiden sie nach dem, was sie über dich bzw. über deine Ansicht und deine Meinung, dein Wissen zu deinem Thema erfahren.

Egal, ob es um Texte für die Website, um Blogartikel, um ein Sachbuch, einen Ratgeber oder Informationstexte geht: Zeige deinen Lesern und Leserinnen, mit wem sie es zu tun haben, heb dich von der Masse ab – und das machst du, indem du ganz du selbst bist. Authentisch in der Art, wie du dich zeigst – und das geht online oder im Printmedium eben zu einem sehr großen Teil über Texte. Authentisch zu schreiben ist oberstes Gebot, wenn du mit deinen Texten Menschen erreichen willst – denn das gelingt am besten, wenn du Menschen für dich interessierst. Und dazu müssen sie wissen, wer du bist.

Was bedeutet es, authentisch zu schreiben?

Mach es möglich, dass deine Leser und Leserinnen dich kennenlernen durch die Art, wie du schreibst. Zeig ihnen, wo du bei deinem Thema stehst, wie dein Umgang damit ist, welches dein Ansatzpunkt, was du all jenen bietest, die sich für dein Thema interessieren. Das heißt: dein Inhalt sollte nicht nur interessant zusammengestellt und gut verständlich aufbereitet sein. Ebenso wichtig ist, dass du ganz klar bist in deinen Aussagen. Menschen wenden sich an dich, lesen deine Texte, weil du die Expertin, der Fachmann auf deinem Gebiet bist. Und das zeigst du am besten durch klare Aussagen.

Was sind klare Aussagen – und was kann sie verhindern?

Klare Aussagen treffen, das hört sich erst mal ganz einfach an. „Mein neuer Tisch ist weiß, der passt am besten zum Schrank. Ich mag das rote Auto lieber als das blaue.“ Das ist unmissverständlich, oder? Tatsächlich drücken wir uns im Alltag oft wesentlich weniger eindeutig und klar aus.

Ich zeige dir mal ein paar Beispiele.

Der Klassiker: „Ich möchte dir recht herzlich gratulieren„.

Das lese ich tatsächlich immer mal wieder irgendwo, immer noch. Mein Gedanke, wenn ich das lese: Wenn du das möchtest, warum tust du es dann nicht?

Dieses „ich möchte“ ist ursprünglich der Ausdruck eines Wunsches – was möchtest du heute Abend gern tun? Ach, ich möchte gern mit dir den neuen Film mit Wem-auch-immer sehen. Ersatzweise könnte auch „ich würde gern“ da stehen: ein Wunsch, bei dem nicht klar ist, ob der dann auch realisiert werden wird. Was aber hat ein Wunsch mit einer nur unklaren Aussicht auf Umsetzung in einer Gratulation zu suchen? „Ich möchte dir recht herzlich gratulieren“ ist so viel wie „Ich würde dir gern recht herzlich gratulieren“ – aber darum geht es ja nicht, denn tatsächlich gratuliere ich ja bereits, indem ich diesen Gruß schreibe. Formulierungen wie diese beruhen auf falsch verstandener Höflichkeit – nur nicht aufdringlich wirken, lieber etwas zurückgenommen auftreten. Lieber „ich möchte“ statt „ich mach das jetzt“ – selbst bei so etwas Positivem wie einer Gratulation.

Um bei diesem Beispiel zu bleiben: warum nur recht herzlich, warum nicht ganz herzlich oder sehr herzlich? Recht herzlich bedeutet nichts anderes als ziemlich herzlich. Und das ist nicht sehr viel. Stell dir vor, du triffst auf dem Gang vor dem Büro deine Kollegin, die, wie du weißt, am Abend davor den neuen Film von Wemauchimmer gesehen hat. Du fragst also: „Und – wie hat er dir gefallen?“ Sie überlegt, nickt schließlich. „Recht gut.“ Klingt das nach einer uneingeschränkten Empfehlung? Eher nicht, oder? Bei „recht gut“ ist noch Luft nach oben – war okay, aber mehr auch nicht. Wenn du jemandem gratulieren willst, dann doch voller Überzeugung und mit den besten Wünschen – und dann solltest du auch mit ganzem Herzen dabei sein. Also: kein „möchte“ kein „recht“, sondern: Ich gratuliere dir herzlich!

Noch ein Beispiel, das immer wieder verwendet wird: „Ich würde gern noch sagen, dass …“

Wenn du das gern tun würdest, dann mach doch – und sag es! Und wenn du es nicht willst, dann musst du es auch nicht erwähnen, dann dreh dich um und geh weiter. Also: Du willst etwas sagen, dann formuliere das klar. Ohne „Ich würde“. Sag es einfach 😊

Diese vermeintlichen Höflichkeitswendungen sind tief in unserem Sprachgebrauch verankert. Aber in gutem Stil, in authentischem Schreiben haben sie nichts zu suchen. Sie schwächen die Aussage ab, die eigentlich getroffen werden soll – und das ist schade.

Schreib für einen starken Textauftritt!

Die Beispiele, die ich jetzt nenne, hab ich natürlich verändert, aber sie sind mir in meinem Arbeitsalltag begegnet.

Da gab es einen Ratgeber, der die Leser und Leserinnen auf den Weg in eine bessere Lebenssituation bringen will und soll, wie der Autor es in einem ausführlichen Vorwort sehr engagiert erklärt – vom Warum bis zur Zielsetzung inklusive ganz vieler Übungen, die helfen sollen, das gesetzte Ziel durch intensives Training zu erreichen. Nach diesem Vorwort über mehrere Seiten beginnt das erste Kapitel, und zwar mit dem Satz: „Ich würde dich gern auf deinem Weg begleiten.“

Eine höflich formulierte Bitte, ein Wunsch des Autors. Was also ist daran falsch?

Stellen wir uns mal die Situation vor. Leser oder Leserin hat das Buch gesehen, fühlte sich vom Thema angesprochen, freut sich darauf, endlich einen Ratgeber mit passenden Übungen gefunden zu haben und hat das Buch gekauft. Sie oder er sitzt erwartungsvoll da, hat aufmerksam die ausführliche Einleitung gelesen und brennt nun darauf, die ersten Aufgaben zu lösen. Und dann – genau dann kommt der Autor mit dem Satz: Ich würde dich gern auf deinem Weg begleiten.

Tatsache ist: das tut er ja schon. Leser oder Leserin hat sich ja längst für ihn und sein Buch entschieden, sonst würden sie ja diesen Satz gar nicht lesen. Der Satz ist also nicht nur viel zu zögerlich formuliert, er kommt auch viel zu spät. Schlechtes Timing – und unklar in der Selbstdarstellung. Statt zu schreiben: Hier bin ich, an deiner Seite, ich begleite dich, und wenn du Fragen hast, beantworte ich sie dir, denn ich weiß genau, was du dann brauchst, weil ich mich auskenne – steht da: Ich würde gern …

Ähnliche Problematik, anderes Beispiel. Ein anderer Autor hat ganz an den Anfang seines Ratgebers – als Motto, als Leitthema, groß und unübersehbar in Schriftbild und Design – ein berühmtes Zitat eines noch berühmteren Menschen gesetzt. Ein starker Anfang, sich selbst in die Tradition dieses Meisters zu stellen. Beeindruckend. Hier wird nicht gekleckert, hier wird geklotzt.

Und dann fährt derselbe Autor nach ein, zwei Einleitungssätzen mit folgendem Satz fort: „Ich glaube, das ist einer der Gründe, weshalb die Worte des großen Meisters (hier bitte den Namen einsetzen) bei mir etwas auslösen.“

Was entnehme ich einem solchen Satz? Hier zitiert jemand die Worte einer bekannten Persönlichkeit, ist sich aber selbst nicht sicher, warum, wo die Gründe dafür liegen und was genau diese Worte bei ihm auslösen? Wirkt das überzeugend? Klingt das nach jemandem, dessen Rat und Tipps du vertrauensvoll folgen würdest? Vielleicht. Aber sicher ist das nicht. Und Sicherheit ist bei einem Ratgeber, ist generell bei einem Sachtext das A und O.

Gib deinen Lesern und Leserinnen Sicherheit

Eine weitere Gewohnheit, die ganz diskret und unaufällig klare Aussagen verhindern kann, sind Satzkonstruktionen mit Nebensätzen – besonders auffallend sind dabei Formulierungen mit „um zu“ oder ganz einfach „zu + Infinitiv“.

Grundsätzlich ist ja das „zu“ ganz in Ordnung. Mir fällt aber immer wieder auf, dass es oft bei Hilfskonstruktionen erscheint – dann, wenn im Satz noch einmal eine Extra-Schleife gedreht wird, ehe es zur eigentlichen Aussage kommt.

Beispiele? Paul hat ein Buch über gesunde Ernährung geschrieben und da, wo er beschreiben will, wie er darauf gekommen ist, bezieht er sich auf seine eigene Geschichte. Das liest sich dann so (der Text ist natürlich erfunden, deswegen etwas holprig – aber das Original war so ähnlich aufgebaut):

„Ich habe beim Kochen die Angewohnheit, meistens viel zu viel Zucker zu verwenden. Es fällt mir sehr schwer, darauf zu verzichten. Andere Menschen scheinen einfach und ohne Umwege ihren Weg zu gehen und ihre Ziele umzusetzen, das zu schaffen, gelingt mir nicht. Ich musste erst mühsam lernen, mein Verhalten zu ändern. Jetzt helfe ich dir sehr gern, deine Ziele zu definieren, deine Essgewohnheiten zu ändern und endlich gesünder zu leben.“

Rein sprachlich ist der Text völlig in Ordnung, aber er spricht nicht so klar und direkt an, wie er könnte. Er ist weitschweifig, lenkt von der Kernaussage ab und ist sogar ein kleines bisschen larmoyant. Denn: Jeder dieser Sätze würde kürzer, knapper und klarer auch funktionieren. Allerdings enthält er dann kein „eventuell“ oder „vielleicht“ oder „würde“ mehr, nicht einmal als Unterton – denn nichts anderes ist das „zu …“. Kein Hintertürchen. Nur noch die klare Ansage. Das liest sich dann so:

„Ich habe eine Vorliebe für Zucker. Und ich kann wirklich schlecht darauf verzichten. Bei anderen wirkt es immer so leicht, wenn sie einfach ihren Weg gehen, das konnte ich nie. Aber ich habe jetzt gelernt, wie das geht, und ich kann dir helfen. Zusammen definieren wir deine ganz persönlichen Ziele und setzen sie gemeinsam um.“

Deine Leser und Leserinnen dürfen dir vertrauen

Je schlichter und geradliniger ein Satz konstruiert ist, desto klarer wirkt auch die Aussage dahinter. Das „zu“ oder „um zu“ ist oft nur ein Schnörkel. Wer einen Ratgeber kauft, sich durch Blogartikel informieren will oder mit einem Sachbuch, muss Vertrauen in den Autor oder die Autorin haben. Dieses Vertrauen baust du mit klaren Aussagen auf, mit einer klaren Positionierung, mit einer unmissverständlichen Stellungnahme – ohne Hintertürchen, ohne „vielleicht“, ohne „würde gern“.

Worauf ich hinaus will: Wer einen Sachtext schreibt, darf ruhig klar, groß und sicher im Schreibauftritt werden. Das heißt: Wenn du dich beispielsweise mit einem Ratgeber an die Menschen wendest, dann müssen deine Leser und Leserinnen vertrauen – dir und auch darauf, dass du weißt, was du sagst und tust, weil du über die Erfahrung und das ,Fachwissen verfügst – und davon sogar so viel, dass du teilen und abgeben kannst. Das solltest du so klar wie möglich kommunizieren, ohne „vielleicht eher“ oder „quasi“, ohne „ich würde“ oder „ich glaube“ – ohne Füllwörter und sprachliche Schlenker, die die Aussage verwässern.

Eine klare Aussage hat nichts mit Arroganz oder Überheblichkeit zu tun, nur mit Präzision im Ausdruck und Klarheit in dem, was du vermitteln willst. Natürlich darfst du auch die Fehler erwähnen, die du gemacht hast, die Schwächen und deine Zweifel. Aber eben auch das klar und ohne ein schützendes Relativieren, denn das erwähnst du, weil du genauso menschlich bist wie alle anderen, aber diese Phasen hinter dir gelassen und Erkenntnisse daraus gewonnen hast, die du vermitteln willst und kannst. Selbstsicheres Auftreten vermittelt Sicherheit auch deinen Lesern und Leserinnen – und darauf kommt es bei Sachtexten an.

Schreibtipp für heute: Authentisches Schreiben ist auch selbstsicheres Schreiben. Vertrau auf dich, dann vertrauen dir auch deine Leser und Leserinnen!

5 Kommentare zu „Authentisch schreiben – glaubwürdig sein“

  1. Danke fürs Veranschaulichen, was authentisches Schreiben bedeutet 🙂 I LIKE!
    Besonders mag ich diesen Satz: „Eine klare Aussage hat nichts mit Arroganz oder Überheblichkeit zu tun, nur mit Präzision im Ausdruck und Klarheit in dem, was du vermitteln willst. “ JA! JA! JA!
    😊
    Herzensgruß
    Sabine

  2. Wow, was für ein toller und inspirierender Artikel. Den muss ich mir abspeichern und immer wieder lesen, denn im Moment ist mein Gehirn voll mit AHA-Momenten und kann sie gar nicht richtig verarbeiten. Vielen Dank für deine Arbeit!

  3. Danke. Ich mag „einfache“ Tipps mit grosser Wirkung – Dein Artikel gehört unbedingt dazu. Ich werde das in Zukunft berücksichtigen!

  4. O ja, liebe Emma, du sprichst mir hier – wie so oft – aus der Seele. Und trotz allem Wissen und verinnerlichen ertappe ich sogar mich selbst dabei, nicht so klar zu sein, wie ich es sein könnte. Danke dir noch mal für den liebevollen Tritt! 😉

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