Immer Ärger mit den Verhältnissen

falsche präposition

Der Blick in die Schlagzeilen, auch in die renommierter Wochen- und Tageszeitungen, ist immer wieder eine Fundgrube für Fehlgriffe aller Art. Aber vielleicht besteht ihr Zweck ja auch nur darin, uns auf diese Weise zu unterhalten? Jedenfalls – die Namen hab ich aus naheliegenden Gründen weggelassen – die Formulierung ist authentisch.

Wer nur mal ganz kurz morgens noch etwas verschlafen bei der ersten Tasse Kaffee den Blick über die News auf dem Smartphone schweifen lässt, dem fällt es vielleicht gar nicht auf. Aber der Unterschied zwischen „mit“ und „von“ ist tatsächlich bedeutsamer, als drei mickerige kleine Buchstaben es vermuten lassen. Um bei diesem Beispiel zu bleiben: das bekannte Model, das sich hier in der Familiengründungsphase befindet, ist mit ihrem ersten Kind schwanger, ob mit einem kleinen Mädchen oder einem kleinen Jungen oder gar mehreren kleinen Wesen, das erfahren wir nicht. Was wir ganz genau wissen, ist, dass sie nicht mit ihrem Freund schwanger ist, der ist nämlich schon ausgewachsen und sieht hoffentlich mit Freuden diesem neuen Abschnitt in seinem Leben entgegen, denn – hey! Seine Freundin ist von ihm schwanger! Von ihm, genau. Nicht mit ihm. Das wäre anatomisch auch nicht nur herausfordernd, sondern auch eine ziemlich absurde Kreisbewegung.

Das „mit“ wird übrigens auch gern mit noch einer anderen Präposition verwechselt – mit dem „zu“ nämlich. Beispielsweise macht es einen Unterschied, ob ich ein Verhältnis zu jemandem habe oder mit jemandem. „Zu“ beschreibt ganz einfach die Beziehung eines Menschen zu einem anderen (oder zu einer Sache), „mit“ ist eine etwas intimere Angelegenheit. Die Nachbarin hat vielleicht heimlich ein Verhältnis mit ihrem Schwager. Deswegen ist möglicherweise das Verhältnis zu ihrer Schwester etwas getrübt 😉

Meinen erklärten Liebling unter den Verwechslungen dieser Präpositionen hat mir übrigens vor Jahren schon der Sprecher einer überaus seriösen Nachrichtensendung beschert, als er verkündete, dass ein soeben verstorbener Kirchenmann stets ein besonders gutes Verhältnis mit dem Papst hatte. Das beste Beispiel, finde ich, um zu zeigen, wie wichtig das Auseinanderhalten dieser kleinen Verhältniswörter ist (die heißen wirklich so …)

2 Kommentare zu „Immer Ärger mit den Verhältnissen“

  1. So genial! Ich liebe ja solche kleinen „Lapsen“ (stimmt das so? Lapsusse klingt komisch 😉 )! Deinen Schreibstil mag ich ebenso! Bis zum nächsten Beitrag!

    1. Gute Frage. Ich könnte jetzt nachsehen, aber das wäre ja langweilig. Gehen wir mal davon aus, dass ein einziger Lapsus schon schlimm genug ist, mehrere kann es daher höchstwahrscheinlich gar nicht geben. Falls die dann doch mal in der Gruppe daherkommen sollten, würde ich sie als Lapsi bezeichnen. Erstens, damit ich mal wieder diskret darauf hinweisen kann, dass ich das Latinum habe, was ja sonst nur selten von Belang ist, und zweitens, weil das so niedlich klingt, dass man es glatt hinter den Ohren kraulen möchte. (Spoiler: Ich hab nachgesehen. Plural ist auch Lapsus, nur mit langem -u-. U-Deklination. Das wäre Lösungsmöglichkeit B gewesen, aber die ist im Gebrauch so unpraktisch, dass ich sie immer zu ignorieren versuche. Der Lapsus oder die Lapsu(:)s – wer soll denn damit arbeiten?) 😉

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